Blog 08.08.2026 |

Frauensache

Frauen helfen gerne. Frauen helfen selbstlos. Frauen kümmern sich um Alte, Junge, Hilfsbedürftige. Frauen stellen sich selbst hintenan. 
Diese Zuschreibungen haben der Gesellschaft jahrzehntelang oder wahrscheinlich eher jahrhundertelang - wenn nicht länger, eine funktionierende Gemeinschaft ermöglicht.

 

Finanziell abgesichert in einem Familiensystem, selbstverständlich und verlässlich. Früher war alles besser? Wer das behauptet, vergisst, dass gerade für Frauen Abhängigkeiten bestanden, die individuelle Lebenswege nicht möglich machten. Unsere Gesellschaft hat sich verändert. Wir bemerken, vielleicht etwas spät, dass immer weniger Menschen in einem gesicherten Beziehungsgefüge leben, das Zeit für unbezahlte Arbeit lässt. An allen Ecken und Enden fällt auf, dass fürsorgliche Betreuung nicht mehr unentgeltlich geleistet wird oder geleistet werden kann. In instabilen Familiensystemen und zunehmendem Individualismus sowie dem Streben nach ständig wachsendem Lebensstandard ist uns etwas verlorengegangen. Wer hat noch Zeit, sich um (die eigenen) Kinder zu kümmern, um älter werdende Verwandte oder Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind? Wer sucht noch das Engagement im Verein, langjährige Freundschaften oder Verbindlichkeiten? Einsamkeit ist die neue Volkskrankheit. Vielleicht der Preis für die individualisierte Gesellschaft, in der jede und jeder sich selbst verwirklichen kann, aber auch für sich selbst sorgen muss oder kaum Kapazität für anderes als das Sichern des Lebensunterhalts hat. Ich möchte nicht mit den Frauen von früher tauschen, die in Abhängigkeiten gelebt haben und ihr Leben von anderen bestimmen lassen mussten. Aber ich vermisse auch die Frauen aus meiner Vergangenheit, die Zeit zu verschenken hatten und Nähe und Verbindlichkeit gelebt haben.

Christiane

 

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